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Chor-Singen und Gesangsunterricht in Zeiten von Corona

Wir wurden von vielen Seiten gefragt, ob wir eine Einschätzung bezüglich der Gefahr der Infektion mit Coronaviren beim Gesangsunterricht und insbesondere auch beim Chor-Singen geben können. Unsere unten angeführten Empfehlungen beruhen nicht auf eigenen Untersuchungen oder speziellen virologischen Kenntnissen, sondern entsprechen unserer persönlichen Meinung nach vielen Gesprächen und der ständigen Suche nach Informationen in den Medien.

Bis heute sind die Übertragungsmöglichkeiten von Coronaviren, besonders in geschlossenen Räumen, noch nicht sicher geklärt. Das ist insofern von elementarer Bedeutung, weil Singen und Gesangsunterricht – ob einzeln oder in Gruppen – so gut wie immer in mehr oder weniger geschlossenen Räumen stattfinden.

Man muss davon ausgehen, dass die infektiösen Tröpfchen und Aerosole (Schwebe- partikel, welche Coronaviren enthalten) mit den ansteckenden Viruspartikeln in der Ausatemluft eines Infizierten für längere Zeit in seiner Nähe verbleiben – und auch über sehr viele Minuten noch im Raum schweben und ‚wandern‘ können. Gerade beim Singen muss man viel ein- und ausatmen und zudem, und das ist für die befürchtete Infektion mit Coronaviren wahrscheinlich noch gefährlicher, auch tief einatmen. Immer wieder gibt es Hinweise, dass gerade die direkte Lungenbesiedlung mit einer höheren Viruskonzentration besonders gefährlich und daraus folgend ein schwererer Verlauf der Krankheit zu befürchten sei.

Was Chöre anbetrifft: Es gibt hierzu einen lesenswerten Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung vom 1.4.2020. Dort wird berichtet, dass sich bei einer Chorprobe in den USA Dreiviertel der Chormitglieder infiziert haben! Über eine persönliche Mitteilung erfuhren wir auch von einem ähnlich gelagerten Fall einer vielfachen Infektion nach einer Chorprobe in Deutschland.
Da man bis heute nicht davon ausgehen kann, dass das Einhalten des Mindestab- standes, das Händewaschen und ähnliche Maßnahmen als Schutz vor einer Infektion ausreichen, sondern dass eben auch die Ausatemluft mit den Tröpfchen und Aerosolen über eine größere Distanz potentiell ansteckend ist, ist für uns alle die Raumluftbedingung von essentieller Wichtigkeit (hier ist ausnahmsweise die Zugluft gut, da sie Aerosole wegträgt und die Viruskonzentration verdünnt!).

Um jetzt in Zeiten von Corona die Frage nach unseren Empfehlungen für den Gesangsunterricht und die Arbeit in Kleingruppen oder in Chören zu beantworten: Davon muss leider aus unserer Sicht zurzeit abgeraten werden. Gesundheit geht vor.

Prof. Dr. med. Markus Hess
DEUTSCHE STIMMKLINIK
stimmklinik.de